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2010-04-30 10:03 Persönlich
Auf der Suche nach mir selbst.
Auszug aus einem Gespräch beim Stimmtraining. Dieses Gespräch hat mich sehr aufgewühlt. So, daß ich auf der Heimfahrt im Auto noch geweint habe - obwohl ich nicht sofort nach der Stunde losgefahren bin. Ich hatte mir zwischendurch noch eine ganze Stunde Auszeit gegönnt. Es hat aber nichts geholfen.
Auf der Suche nach mir selbst?
Sie: Ich habe bei dem Training den Eindruck, dass Du alles aus dem Kopf steuerst und Deinen Körper ignorierst. Bei Dir hört das Körpergefühl hier auf. (Sie zeigt auf eine Stelle direkt unter dem Kehlkopf.) Alles was drunter ist, existiert bei Dir nicht. Du setzt Deinen Körper nicht ein. Ich: schweige Sie: Kannst Du Gefühle empfinden? Sie bezieht sich im Folgenden unter anderem auf das Elternhaus. Leider weiß ich den genauen Wortlaut nicht mehr. Ich war bereits zu aufgewühlt. Ich: In meiner Familie wurden Gefühle nie gezeigt. Nicht nur bei meinen Eltern, eigentlich bei Allen. Sie: Berührt Dich das, was ich sage? Sie: Was fühlst Du? Sie: Welche Trauer? Sie: Ist schon möglich. Trauer hat eben viele Gesichter. Sie: Was hast Du vermisst? Sie: Du darfst trauern. Nur wenn Du die Trauer zulässt kannst Du hinterher auch etwas ändern. Sie: Bist Du in Deiner Ehe glücklich? Sie: Willst Du in dieser Ehe sein? Sie: Und nachdem Dein Mann noch bei Dir ist will er es auch! (Bezugnehmend auf meine Lebensgeschichte.) Ich: Schweige mal wieder und kämpfe mit den Tränen. Sie: Weißt Du, ich könnte meinen Partner auch ab und an aus dem Fenster werfen. So auch heute morgen. Er hat nichts gesagt. Es war einfach nur, weil es eben morgen war. Ich: Mir ging es gestern abend so. Ich war bei der Nachbarin und half ihr, ihren Bambus zu schneiden, weil ich die Stecken wollte. Er kam nach Hause und das erste was er sagte: >Hier bist Du und drin bleibt die Arbeit liegen.< Er hat es sicherlich nicht ernst gemeint, aber im Moment kann ich so was nicht vertragen. Sie: Das ist unverschämt. Ich: Schweige Wir reden weiter über alltägliche Eheprobleme. Ich: Weißt Du, meine Arbeit ist immer nichts wert. Sie: War das auch schon so, als Du noch gearbeitet hast? Oder ist das erst, seitdem Du zu Hause bist? Sie: Das ist normal. Ich: Ja, ich weiß. Ich habe mir angewöhnt, die Männer dann einfach stehen zu lassen. Aber mich interessiert es dann auch kaum, wenn die Nachbarin dabei ist und mit mir über Kinder und Essenkochen reden will. Sie: Das glaube ich Dir, aber Du könntest sicherlich zwei Stunden über Musik reden? Ich: Er will auch keiner sein. Für ihn ist und bleibt es einfach ein Hobby. Sie vergleicht mit ihrem Lebensgefährten, der ebenfalls Profimusiker ist: Er musste als Kind immer üben. Für ihn war es der Alptraum, weil er während dessen die anderen Kinder draußen spielen sah. Er wollte es nicht. Ich: Ich habe das freiwillig gemacht. Ich weiß, was verzichten heißt. Als Musiker hast Du keinen Freundeskreis außerhalb der Gruppe. Denn wenn die anderen was untenehmen wollten, standest du auf der Bühne. Sie: Ja, anders geht es ja nicht. Das ist nicht möglich. Ich: Meine Eltern wollten oft, dass ich weg ginge. Wenn ich dann weg war, habe ich mir „falsche“ Freunde gesucht. Sie verboten mir den Umgang, weil diese Familie sozial schwächer gestellt war. Sie: Sozial schwächer gestellt heißt aber nicht, das es schlechtere Menschen sind. Ich: Das weiß ich, aber sag das mal meinen Eltern. Ich habe von dieser Familie soviel gelernt, wie sonst nirgendwo hätte lernen können zu dieser Zeit. Sie vergleicht mich mit dem Elternhaus ihre Lebensgefährten und nennt Beispiele. Ich weiß nicht mehr auf welche Frage ich wie folgt antwortete: Ich: Meine Eltern stellten sich nach außen immer als was Besseres dar. Sie wirkten wie Reiche, obwohl sie das nicht waren. Zu Hause bekam ich einen Anschiss, wenn ich mir eine Scheibe Wurst zuviel aufs Brot legte, oder zuviel Butter nahm. Bei der Familie, die ich nicht besuchen durfte, herrschte wirklich Armut. Die hatten kein Geld für Wurst etc. Da gab es Butterbrot mit einer Tomate drauf. Und als Gast bekam auch ich ein Butterbrot mit Tomate. Sie: Das esse ich sehr gerne. Sie: Bist Du eigenständig bzw. vollkommen unabhängig von Deinen Eltern? Ich: Nein. Sie: Vertraust Du Deiner Therapeutin? Sie: Kannst Du Dich überhaupt richtig fallen lassen – Jemand anderem gegenüber? Ich: Ja (aber so sicher bin ich mir da mittlerweile nicht mehr – je länger ich darüber nachdenke.) Sie: Du solltest mit Deiner Therapeutin mal über Körperlichkeit, Sexualität, Weiblichkeit reden. Das kannst Du aber nur, wenn Du ihr zu 100 % vertraust. Ich: Wir haben das Thema schon angesprochen. Nur leider hat die Zeit nicht gereicht. (Vertraue ich meiner Therapeutin doch zu 100 %? – ich bin mir einfach nicht sicher) Kommentare
21:36 05.05.2010
Ich vertraue ihr zu 100 %. Nur zu Beginn der Therapie war ich so durch den Wind, daß ich überhaupt nichts mehr "neutral" bzw. "normal" beurteilen konnte. Langsam bin ich dazu wieder in der Lage. Und das heutige Gespräch hat es gezeigt - es herrscht wirklich ein gutes Vertrauensverhältnis. Ich bin froh darüber.
21:24 05.05.2010
aber das ist die Voraussetzung für einen Therapieerfolg ... |
2010-04-30 10:03 |
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