Aven liest - reloaded [2010]
"Vergebung" von Stieg Larsson
Der Klappentext:
"Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, Drahtzieher mafiöser Machenschaften, knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hochdruck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit unbeirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten."
Der erste Satz:
"Dr. Anders Jonasson wurde von Schwester Hanna Nicander geweckt."
Der letzte Satz:
"Sie machte die Tür ganz auf und ließ ihn wieder in ihr Leben."
Meine Meinung:
Ich gehe davon aus, dass dies der Teil ist, der Stieg Larsson am meisten am Herzen lag. Die ominösen Machenschaften des korrupten schwedischen Staatssystems. Spione, die innerhalb der Spionage dafür da sind, die anderen Spione auszuspionieren. Etc. Nun ja, alles wieder sehr fantasievoll, für mich aber nicht so ganz interessant. Vor allem, weil ich mich in der schwedischen Politik nunmal nicht auskenne. Von Olof Palme hat man mal gehört, aber sonst...
Außerdem gibt es ein paar Ungereimtheiten zwischen Teil II und Teil III, Teile der Story sind etwas unausgegoren (so lässt man bspw. Lisbeth und Zala wochenlang nebeneinander im Krankenhaus liegen, obwohl die beiden vor Einlieferung offensichtlich versucht haben, sich gegenseitig umzubringen) und Blomkvist als Kerl, dem nun wirklich alle Frauen verfallen, nervt auch irgendwann.
Somit für mich der schwächste Teil - es hat lange 300 Seiten gedauert, bis mich die Story wieder voll gepackt hatte - die folgenden 500 entlohnen dann aber wieder mit der gewohnte Spannung & dem gewohnten Tempo.
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"Verdammnis" von Stieg Larsson
Der Klappentext:
"Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin Millenium eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Listbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist gluabt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt."
Der erste Satz:
"Er hatte sie mit Lederriemen auf einer schmalen, stählernen Pritsche gefesselt."
Der letzte Satz:
"Mikael legte die Waffe auf den Boden, zog sein Handy aus der Tasche und wählte die Nummer der Notrufzentrale."
Meine Meinung:
Teil 2 der Trilogie. 750 Seiten und mein vorgestriger Sonntagnachmittag. Die Geschehnisse sind noch einen Tick absurder als im ersten Teil, aber nachdem nach einigen einleitenden Kapiteln, die im wesentlichen erläutern, was die Hauptpersonen zwischen Teil 1 und Teil 2 der Story gemacht haben, nahezu aus heiterem Himmel ein brutaler Doppelmord passiert, wollte ich noch viel mehr wissen "who done it" und wie und warum. Und überhaupt. Das Geniale an der Geschichte ist, dass es so viele verschiedene "Ermittler" gibt, die alle einen Teil des Wissens haben und versuchen, die Geschehnisse aus ihrer Sicht zusammen zu "puzzlen". Diesmal ist natürlich die Polizei mit im Spiel. Mikael Blomkvist ermittelt, weil sein Mitarbeiter ermordet wurde und man seine Recherche- und Bettpartnerin aus Teil I verdächtigt. Lisbeth Salander ermittelt ... zum einen natürlich, um ihrer drohenden Verhaftung zu entgehen. Zum anderen aber auch, um sich für Dinge in der Vergangenhei rächen zu können [und für ihre Rache bleibt sie auch hier wieder deutlich neben dem Gesetz]. Lisbeths ehemaliger Chef ermittelt, weil er irgendwie von ihrer Unschuld überzeugt ist. Und dann schalten sich noch alte Freunde von Lisbeth ein. Sowie der ein oder andere "Verbrecher", der seine Schäfchen ins trockene bringen muss.
Als Leser beginnt man damit natürlich unweigerlich ebenfalls, eigene Schlüsse aus dem zu ziehen, was man Seite pro Seite so erfährt. Und man muss mehrfach umdenken, auch wenn man den handelnden Personen im Roman meist um einige Schritte voraus ist.
Ich ziehe den Hut vor so viel geballter Fantasie des Autors.
[und habe gestern abend bereits mit dem Lesen von Teil III begonnen]
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"Verblendung" von Stieg Larsson
Der Klappentext:
"Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt."
Der erste Satz:
"Es wiederholte sich alljährlich."
Der letzte Satz:
"Den Elvis Presley warf sie in einen Müllcontainer."
Meine Meinung:
Larssons Trilogie - M.s Ostergeschenk für mich. Und so habe ich über das Osterwochenende den ersten Teil verschlungen und gestern bereits den zweiten. Es handelt sich also um Romane, bei denen man nicht aufhören kann, zu lesen. Weil man ständig wissen will, wie es weitergeht.
Und das ist schon einmal gut, wenn nicht gar das beste an den Büchern.
"Verblendung" hat alles, was ein guter "Krimi" benötigt (vllt sogar ein bischen daviel davon): Verschwundene Personen. Brutale Morde und Vergewaltigungen. Verweise auf Bibelzitate. Eine weitverzweigte, zerstrittene Großindustriellenfamilie mit interessanter Familienchronik. Und noch einen Schwung Wirtschaftskriminalität. Was ein wenig anders ist, als anderswo, ist die Tatsache, dass die "Ermittler" nicht von der Polizei sind, sondern dass es sich um einen Journalisten handelt und um eine soziale Außenseiterin mit "anorektischem" Aussehen und sehr hoher Intelligenz. Mit hohem Arbeitsansatz (und nicht immer ganz legalen Methoden) gelingt den beiden schließlich ein "Ermittlungsdurchbruch" in einer Sache, die die Polizei vor vielen Jahren schon als ungelöst aufgeben musste. Und damit bringen sie sich selbst in Lebensgefahr....
Die Geschichte ist teilweise sehr stark neben der Realität (was aber zumindest dafür sorgt, dass ich danach noch einschlafen kann, was mir bei sehr realen Krimis oft schwerfällt) und ab und an sind die Beschreibungen bezügl sexueller Handlungen auch schlichtweg überflüssig (wie m.E. so oft, wenn Männer Bücher schreiben ... wenn ich mir das Foto des Autors anschaue - Typ Physik-LK - vermute ich gar, er hat seinem "Hauptermittler", dem Journalisten, Wesenszüge - und eben den großen Erfolg bei den Frauen - mitgegeben, die er selbst gerne gehabt hätte...).
Die Sprache ist sehr einfach - damit aber eben auch stark unterhalten. In Summe also ein guter Urlaubs- / Abschalteroman.
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"[Twenty Years - Two People -] One Day" von David Nicholls
Der Klappentext:
"15th July 1988. Emma and Dexter meet on the night of their graduation. Tomorrow they must go their separate ways. So where will they be on this one day next year? And the year after that? And every year that follows?"
Der erste Satz:
""I suppose the important thing is to make some sort of difference", she said."
Der letzte Satz:
"Goodbye."
Meine Meinung:
Eine brilliante Idee - über 20 Jahre lang wird jeweils der gleiche Tag - der 20. Juli, im Leben von Em und Dex erzählt. Für mich plätscherte das Buch zunächst ein wenig vor sich hin, bevor es mich dann, so ca. nach 100 gelesenen Seiten, völlig "absorbierte". Es ist eine Geschichte über Freundschaft. Liebe. Möglichkeiten im Leben. Und vieles ging mir plötzlich so nah, dass ich weinen musste. Oder lachen. Und sehr viel über mein eigenes Leben grübeln. In jedem Fall habe ich schon eine zweite Version des Buches bestellt, das ich Alex schenken werde. Denn an ihn / unsere Freundschaft / Beziehung whatever musste ich besonders oft denken.
Also: absolut lesenswert. Ach ja, und ein grausam überraschendes Ende gibt es im Übrigen auch.
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"Der Koch" von Martin Suter
Der Klappentext:
"Maravan, 33, tamilischer Asylbewerber, arbeitet als Hilfskraft in einem Zürcher Stenelokal, tief unter seinem Niveau. Denn Maravan ist ein begnadeter, leidenschaftlicher Koch. In Sri Lanka hatte ihn seine Großtante in die Kochkunst eingeweiht, nicht zuletzt in die Geheimnisse der aphrodisischen Küche. Als er gefeuert wird, ermutig ihn seine Kollegin Andrea zu einem Deal der besonderen Art: einem gemeinsamen Catering für Liebesmenüs. Anfangs kochen sie für Paare, die eine Sexualtherapeutin vermittelt. Doch der Erfolg von Love Food spricht sich herum, und eine viel zahlungskräftigere Klientel bekundet Interesse: Männer aus Politik und Wirtschaft - und deren Grauzonen. Maravon hat Sorge, das geschäft könnte "unanständig" werden. Und das wird es. Doch er benötigt das Geld dringend, um seine Familie in Sri Lanka am Leben zu erhalten."
Der erste Satz:
""Maravan! Siphon!" Maravan legte rasch das scharfe Messer neben die feinen Gemüsestreifen, ging zum Wärmeschrank, entnahm ihm den heißen Edelstahlsiphon und brachte ihn zu Anton Fink."
Der letzte Satz:
""Und wann kochst du mir einmal ein Liebesmenü?" "Nie.""
Meine Meinung:
Klar, dass ich das Buch gleich nach Erscheinen haben musste: Sri Lanka, Ayurveda, Kochen. Und das alles verbunden mit Suters wirtschaftlichem Sachverstand. Die knapp 300 Seiten lassen sich locker an zwei Abenden bewältigen. Als nette Zugabe befinden sich im Anhang alle ayurvedischen Rezepte, mit denen Maravan im Verlauf der Geschichte seine Gäste verwöhnt.
Aber sonst?
Ich bin enttäuscht. Suter hat meines Erachtens eine geniale Idee für seine Story
- zur Schwarzarbeit verdammter Küchengenie aus Sri Lanka organisiert gemeinsam mit einer Freundin (die mit ihm geschlafen hat, als er sie bekochte, obwohl sie eigentlich lesbisch ist - joa, Männerfantasien, aber es sei verziehen...) erotische Dinner. Bei einem derselben werde schließlich Waffenschiebergeschäfte getätigt, die die Tamilen in Sri Lankas Bürgerkrieg unterstützen -
und nur ganz wenig daraus gemacht - fast so, als sei er vom plötzlichen Abgabetermin des Buches überrascht worden und habe dann alles "schnell, schnell" beenden müssen. Während das Buch sich zunächst viel Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln, ist das Finale, auf das so mühsam hingearbeitet wurde, lieblos dahin geklatscht und nach wenigen Seiten vorbei. Zudem lassen sich auch noch ein paar lose Erzählenden finden. Kleine Nebengeschichten, die Suter anfängt, dann aber nie mehr aufgreift und zum Ende bringt. Wie gesagt: als hätte er keine Zeit mehr gehabt.
Schade!
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"edie - GIRL ON FIRE", herausgegeben von Melissa Painter und David Weisman
Der Klappentext:
"Model, film star, socialite, friend, lover, addict, Edie Sedgwick was the embodiment of the silver '60s and a superstar in her own right. The first "it" girl of the Andy Warhol Factory scene and later muse to Bob Dylan, Edie created a new kind of fame, her short but brilliant life tracing an arc from idyllic experimentation to dissolute recklessness. This book is the definitive visual account of Edie's life. Melissa Painter and David Weisman (co-director of Edie's only feature-length fil, Ciao! Manhattan) have assembled hundreds of never-before-published photographs, fashion shots, film stills, and candid snapshots, as well as revealing new interviews with Edie's surviving intimates, including Danny Fields, Jane Holzer, and Ultra Violet. As stylish as Edie herself, this is an intimate portrait of a woman that nobody quite knew."
Der erste Satz:
"You can be in love with anybody and still be in love with Edie."
Der letzte Satz:
"And I would just fall off the edge..."
Meine Meinung:
Wie es im Klappentext schon steht - mehr etwas zum Anschauen, als zum Lesen. Tja, und genauso habe ich "Edie - Factory Girl" und "The Warhol Sixties" gelesen, dabei Nico & The Velvet Underground gehört und mir bei You Tube tonnenweise Filmchen aus dieser Zeit angesehen, sowie natürlich das durchgeknallte "Ciao! Manhattan". Kurz, mich begeistert diese Zeit, ich bin fasziniert von Edie, die so unangepasst, so durchgeknallt, so schön (dünn) und letzlich so hilflos und einsam war (und bereits mit 28 als heavy drug addict von uns gegangen ist). Freier Sex, freie Drogen, echte Musik und Kunst. Hm. Ich weiß, ich sollte Entsetzen fühlen. Oder Bedauern. Oder sonst was. Aber die Wahrheit ist, dass ich mein Leben geben könnte, um ein Jahr in den 60ern in New York dabeigewesen zu sein.
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"Die Korrekturen" von Jonathan Franzen
Der Klappentext:
"Nach fast fünzig Ehejahren hat Enid Lambert nur ein Ziel: ihre Familie zu einem letzten Weihnachtsfest um sich zu scharen. Alles könnte so schön sein, gemütlich, harmonisch. Doch Parkinson hat ihren Mann Alfred immer fester im Griff, und die drei erwachsenen Kinder durchleben eigene tragikomische Malairen. Gary steckt in einer Ehekrise. Chip versucht sich als Autor. Und Denise ist zwar eine Meisterköchin, hat aber in der Liebe keine Glück."
Der erste Satz:
"Der Irrsinn einer herbstlichen Prärie-Kaltfront, näher kommend."
Der letzte Satz:
"Sie war fünfundsiebzig Jahre alt, und sie würde einiges in ihrem Leben ändern."
Meine Meinung:
Platz 73 auf der Liste der beliebtesten Bücher, wie ich hier vor einigen Tagen lernen durfte. Tja, so ganz erschließt sich mir nicht, wie diese 781 engbeschriebenen Seiten es zu solcher Berühmtheit geschafft haben. Das Buch ist athmosphärisch dicht, oft aber auch zäh, sperrig und ungemütlich.
Und während ich mich über Chip herrlich amüsieren konnte, der trotz Hochintelligenz beruflich (und auch sonst) keinen Fuß vor den anderen bekommt und schließlich einem Betrüger nach Litauen folgt, für den er eine Website betreibt, mittels der er die dummen Amerikaner um horrende Spendengelder (für die Öffnung Litauens zum Kapitalismus) bringt, bis er das Land in einer wilden Flucht wegen Ausbruchs eines Bürgerkriegs verlassen muss.
Und während ich Denise symphatisch fand, die erst eine Fach-Affäre mit ihrem Chef und Gönner hat, dann kurz ein schlechtes Gewissen, bevor sie sich hemmungslos in eine Affäre mit der Frau ihres Chefs stürzt - welche schließlich die Ehe der beiden auseinander bringt und sie ihren Job kostet.
Fand ich Chip fast körperlich-spürbar unsymphatisch. Habe mich für ihn fremdgeschämt, als er mehr und mehr erkennen muss, dass seine Frau ihn für einen Verlierer hält und die pubertierenden Söhne in ihm auch schon lange kein Vorbild mehr sehen, weswegen er zunehmend in den Alkoholismus abdriftet.
Und musste ich mich nahezu zwingen, die vielen, vielen Seiten über Enid und Alfred lesen. Die alten Eltern. Mit Problemen des Alters, auf deren Schilderung ich, tut mir leid, keinen Wert lege. Seiteweise wird beispielsweise dargelegt, wie Alfred im Demenz und Parkinson-Wahn sich erst die Windel vollmacht, es dann nicht schafft, eine neue anzuziehen und dann davon fantasiert, dass das große braune Ding über die Wände flutscht und sich mit ihm unterhält.
... Gut, aber das ein Buch all solche Gefühle in mir auslöst, dass es so geschrieben ist, dass man sich die Situationen vorstellen kann (auch die, die man nicht wissen will) ... macht es dann doch irgendwie zu einem guten Buch.