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2007-12-31 18:02 (1 Ereignis)Persönlich / Gr. Mundart-Gedichte und Geschichten
Der Barbarazweig

Der Barbarazweig

"Du hast doch hoffentlich gestern, an dein Namestag, än Goldregen oder än annern Zweig reigholt - än Barbarazweig." - Nä, des hab ich vergessn. Ich machs nacher glei." - "Vergeß aber net nuchämal. Du wäßt, daß sich der Vater immer so fräät, wenn an Weihnachtn was blüht." Schul - Hausaufgab' - Telefon - Freundinna, der Zweig is wieder vergessn worn. "Hast du ämend den Barbarazweig wieder vergessn?" - "Ach Gott, ja! jetz hol ich na."

Der Vater schent scho: "Kast vergaß! Zwä Tag zu spät - der blüht nie an Weihnachten." - "Sei so gut, wachs äweng schneller", bettelt die Barbara den frischgeschnittena Kirschezweig an, "du hast's doch ghört, alla wölln än blühenden Zweig an Weihancht'n. Des ghört halt derzu." - "Ich kann aa net aus meiner Haut", brummt der Kirschezweig, aa wenn na kenner versteh kann, "alles braucht sei Zeit, und Streß könna mir Kirschn scho gar kenn vertrag." - "Bist du verrückt?! Nein kaltn Wasser!" Die Mutter is entsetzt. "Wie wist du ämal al Hausfrau wer'? Warms Wasser und ä warma Stubm braucht so ä Zweig." Der Bruder vo der Barbara gläbt aa nix mehr an än Erfolg. "Strengt auch net an, der werd doch nix mehr. Wemmer Glück hamm, nachher blüht der an Dreikönig." - "Jetzt wart halt ämal ab, mir hamm doch nuch äweng Zeit", verteidigt sich die Barbara.

Der Kirschzweig will sa aa net enttäusch: "Ich tu ja scho, was ich kann", brummt er, "aber so eefach is des fei net. Kee Sunn, kee Frühlingslüftla, da sösta blüh', und aa nuch außer der Zeit." - "Rührt er sich scho?" Der Vater freecht fast alla Tag, "mir hamm fei bloß noch ä guäta Wochng bis zum Heilichng Abmd." - "Ich gläb, die Knospm sinn scho dicker worn, als wie sa am Anfang worn." - "Du hast recht", hilft die Mutter zu ihrer Tochter, "vielleicht klappts doch nuch." - "Also jetzt hab ich mir scho bal än Bruch gedrückt", schent der Zweig. "Wennsa ner net dauernd frisch Wasser nachschüttn tätn. Des Chlor und der Kalk - pfui Teifl! Aber - ich gläb, in meiner Knöspli rührt sich was - des sinn ja direkt Frühlingsgefühle, mittn im Dezember." - "Mama! Mama! Ich gläb, ich säh scho äweng Hellgrün zwischn die Knospemblätter, er kummt." - "Geb's doch auf!" Der Bruder will halt aa recht behalt. "Blüht er scho?" Än Vater sei letzter Arbeitstag iss vorbei, übermorchng iss Weihnachtn.

Der Kirschzweig stöhnt: "Wennsa ner heut nachts net die Heizung so zurückgedreht hättn. Da friert's enn ja wie än Pätzer, und da sösta Blütn treib, bei so ä Kält. Nuchämal mach ich so ä Hetz net mit, des sag ich euch." Er hat jetzt aber doch prallgefüllte Knospm, sogar scho äweng nausgschom vom Zweig, und mer kann schö ä Spur Weiß erkenn, des Weiß vo die Kirschblütn.

Een Tag vorn Heilichng Abmd hat die Barbara ihr Zweig versteckelt. Zu ihrer größtn Frääd hamm sich tatsächlich ä paar Blütn gezeigt, und des soll ä Überraschung wer'. Wie sa vo die Mettn hemmkumma, und die Bescherung soll stattfind, stellt es Mädla den über und über blühenden Zweig mittn nei die Geschenke. "Klasse, ä Computer, ä neua Fotoausrüstung, genau des, was ich mir gewünscht hab. Klasse!" Der Bruder is begeistert. "Ach, daß ihr ner dadraa gedacht habt, daß mei Parfümfläschla leer iss, dank schö." Die Mutter fräät sich. Und der Vater erscht. "Des Buch und die Bohrmaschin', wie habter denn des erratn? Und ä neua Hosn. Hätt ich doch gar net gebraucht, ich hab doch Hosn genug. Und daa - tut doch ämal den blöden Zweig weg - dess iss ja ä echter Cognac - Klasse."

Aa die Barbara fräät sich über ihr Geschenke, aber so richtig froh kann sa net wer'. Der Kirschezweig tut ihr leid. Jetz hammses gschafft mitänanner, daß er geblüht hat, und auf eemal soll er nix mehr wichtig sei. "Guckt doch ämal den Kirschezweig aa, wie schö der blüht." - "Ja, ja, später, jetz muß ich än Opa aaruf, hoffentlich kumm ich durch." - "So, mir machng ä Fläschla auf." Der Vater iss in sein Element. "Und tut ämal die Plätzli her."

Am zwättn Feiertag. "Schmeißt doch den dürrn Ast da naus, mer schämt sich ja, wenn ees zu Besuch kummt." - "Des wenn ich gewißt hätt", schent der Kirschezweig, "des wenn ich gewißt hätt, hätt ich höchstens ä paar grüne Blätter getriem, dena hätt ich was gepfiffm." - "Da sichst wieder ämal, so ä Barbarazweig, kaum en Tag blüht er, scho isser verreckt, kast nix mehr aaguck." Die Mutter will's schö hab im Zimmer. "Aber des sag ich euch", grollt der Zweig mit letzter Kraft zwische sei verdörrta Blütn raus," Kirschn kriegt ihr heuer vo mir kenna, euch gäbi!" Er hat sei Wort ghaltn.

(Wilhelm Wolpert)

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2007-12-31 18:02