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2010-03-29 11:49 Persönlich
Grundlagen

Folgendes Schriftstück habe ich meiner Psychologin vorgelegt. Sie liest es sich bis zur nächsten Sitzung durch. Ich bin gespannt, was sie dazu sagen wird. Ich habe sämtliche Punkte mit meiner Mutter und meinem Mann bereits durchgesprochen.

 

 

 

 

Kindheit, Elternhaus, Erziehung

 

-          Meine Eltern weckten nach Aussen immer den Eindruck reich und wohlhabend zu sein. Ich musste mich häufig dagegen wehren. „Du bist doch die Einzige…“ „Dein Vater war doch auch Einzelkind…“ „Da ist doch das Geschäft da…“

-          Als meine Eltern das Rauchen aufhörten, rauchte meine Mutter heimlich weiter. Ich durfte nichts sagen. Kurze Zeit später kam mein Vater unerwartet nach Hause und ich sah nur eine fliegende Zigarette…

-          Ich wollte auf das Gymnasium gehen. „Du tust zu Hause nicht mehr dafür, als unbedingt sein muß.“ (Ich brauche auch heute noch den berühmten Tritt in den Hintern.) Ich schwätzte im Unterricht sehr viel und stand deshalb häufig vor der Türe. Das änderte sich erst, als ich auf die Realschule ging. War das ein Zeichen von Unterforderung?

-          Ich wollte Musik studieren. Doch der Beruf „Fachlehrer für Musik“ wurde zwei Jahre vor meinem Ausbildungsbeginn abgeschafft. Ich hätte ein Hauptfach mit unterrichten müssen. Aber ohne Abi?

-          Mutter: Ihr ist häufig wichtiger was Andere sagen, als das was ich sage. Bezgl. Kinderwunsch: „Ich weiß immer nicht was ich sagen soll….“

-          Nicht ernst genommen werden! Was der Wanderverein sagt stimmt.

-          Vater: Läßt niemals jemanden ausreden. Fällt immer mitten ins Gespräch mit einem oftmals völlig anderem Thema ein.

-          Meine Eltern haben keine eigene Meinung. Bei Allem werden zig Leute gefragt. Es wird auch schon Jahre vorher erzählt und gefragt, bis das Entsprechende überhaupt aktuell ist. (Autokauf, Hausumbau)

-          Vater: „Wir haben immer zuerst geschaut, das wir die Alete-Gläschen für Dich hatten…“ Schuldgefühle erwecken wollen?

-          Vater bei der Geburt, als er meinte, die Hebamme wäre am Telefon: „Was ein Mädchen:“

-          Beim Einschulungstest wurde festgestellt, dass ich nur ca. 30% sah. Merkten meine Eltern vorher nichts?

-          Meine Kindheit wurde von Hass, Streit, Unzufriedenheit, Heimlichtuereii und Eifersucht geprägt.

-          Beim gemeinsamen Essen mit Großvater am Tisch brauchte ich nicht von Schule oder Arbeit zu reden. Großvater ignorierte es, dass ich gerade wichtige Erfahrungen machte. Er bestimmte das Thema. (Er war schwerhörig.)

-          Großvater verschenkte fremdes Eigentum. Als ich Akkordeon lernen wollte, hatte er das Instrument verschenkt, obwohl es meinem Vater gehörte. Irgendwann tauchte es wieder auf. Das Bild, welches meine Eltern zur Hochzeit vom Arbeitgeber meiner Oma geschenkt bekommen hatten, hatte auch den Besitzer gewechselt. Auch dies kam auf irgendeine Weise dann wieder zurück.

-          Ständiger Streit im Haus. Was meine Eltern erzählten, durfte ich den Großeltern nicht sagen. Was meine Großeltern erzählten, durfte ich meinen Eltern nicht sagen. Wenn ich mich verplauderte war der Streit oftmals schon vorprogrammiert. Heimlichtuerei.

-          Großvater: Kinder durften im Hof nicht mit dem Ball spielen. Da könnte ja die Hauswand dreckig werden. Ohje, wenn der Ball mal in die Buchshecke flog.

-          Großeltern: Eifersucht, wenn ich bei den „anderen“ Großeltern war, vor allem bei „DER DA“ (= meine Tante mit Down-Syndrom). Es gab einen riesen Ärger, wenn ich abends nicht nach oben ging. Ich war abends praktisch nie mit meinen Eltern zusammen. Erst als ich älter war, und länger fernsehen durfte, dann ging ich zu meinen Eltern, wenn meine Großeltern ins Bett gingen.

-          Eltern: Riesen Trara, als wir in Trennfeld bauten: „Wer versorgt uns mal, wenn wir alt sind. Andere Töchter bleiben im Ort. Bei dem und dem wohnt die Tochter im Haus oder in der Nähe….“

Ich habe oft den Eindruck, dass ich meine Eltern schriftlich einladen muß, damit sie uns mal besuchen.

-          Eltern: Riesen Trara, als ich von zu Hause auszog: Vier Wochen später war mein Kinderzimmer kompl. renoviert und zum Arbeitszimmer umfunktionert.

Auch hier erfolgten nur sehr selten Besuche, obwohl wir nur zwei Straßen weiter wohnten.

-          Mutter: Neid auf Geldgeschenke. „Ihr habt soviel Geld geerbt, bei uns hat es gerade mal für die Beerdigung gereicht.“ (Sie haben Haus und Grundstück geerbt.) „Was, er gibt Euch genauso viel Geld wie uns?“ „Ihr habt schon über 100tsd Euro bekommen.“ (Schön wär’s, dann wären wir jetzt schuldenfrei.)

-          Vater: Er aß mir immer die Süßigkeiten weg. Ich konnte sie verstecken, wo ich wollte…

-          Bei uns regierte der eiskalten Hass!

-          Fahrradunfall mit 12 Jahren: Ich verlor dabei die Vorderzähne im Oberkiefer. Ein Vorderzahn brach soweit ab, dass der Nerv abgetötet werden musste. Der Zahn wurde dunkel und bekam eine Krone, die aber farblich nicht 100%ig passte. Der andere Vorderzahn wurde auf die gleiche Länge gekürzt und trotzdem fehlte noch eine kleine Ecke. Ein Eckzahn fehlte. Mit 16 Jahren wurde es durch eine Brücke korrigiert. Fazit: Wenn ich in der Öffentlichkeit lachte, liefen mir die Ansprechpartner weg.

-          Sexueller Missbrauch mit 14 Jahren: Zum erstenmal hatte ich im Urlaub ein eigenes Zimmer. Dieses lag im Dachgeschoß genau überhalb des Zimmers meiner Eltern. In der dritten Urlaubsnacht war ich alleine im DG untergebracht. Der Hotelwirt passte mich mit geöffnetem Hosenschlag vor meinem Zimmer ab. Er steckte mir die Zunge in den Hals und fragte mich, ob ich sein bestes Stück anfassen wollte. Ich weiß nicht mehr, wie ich ihn losgeworden bin. Aus der späteren Erzählung heraus hatte ich wohl geschrieen. Meine Mutter hat den Wirt unverzüglich darauf angesprochen, und er beteuerte, dass nichts mehr passieren würde und wir bitte auf keinen Fall zu Polizei gehen sollten. Am nächsten Tag suchten wir nach einer anderen Unterkunft und fanden aber nichts. Angeblich überließen meine Eltern mir die Entscheidung, ob wir nach Hause fahren oder bleiben wollten. Ich entschied mich angeblich für’s bleiben. Tatsächlich weiß ich von dem Moment an, als ich die Zunge im Hals hatte nichts mehr. Ich habe das komplett ausgeblendet. Meine Mutter hat mir das jetzt alles noch mal erzählt.  Aber war ich damals wirklich in der Lage, diese Entscheidung bzgl. Heimfahrt zu treffen?

-          Aussenseiter sein
Durch schlechtes Gebiss
Kontaktschwierigkeiten (Freundschaften nicht frei wählen dürfen.)
Körpergröße
Musiker (mit ca. 14-16 Jahren Mosch-Fan)



Gesundheitliche Probleme

-          Endometriose

-          Kreisrunder Haarausfall (Alopezia Areata)

-          Allergien (Heuschnupfen, Magen-Darm-Beschwerden)

-          Hashimoto Thyreoiditis

-          Schlafstörungen (Schlaflosigkeit, nicht müde werden, hellwach im Bett nach 2 Stunden)

-          Sucht nach Süßem

-          Lügengeschichten

-          Schuldgefühle

-          Sexuelle Unlust

 

Kinderwunsch:

Im tiefsten Inneren habe ich mich immer gegen Kinder gewehrt. Nach jedem Geschlechtsverkehr habe ich gehofft, dass ich nicht schwanger werde. Ich hatte tierische Angst. Wenn sich unser Patenkind oder auch andere Kinder zum Übernachten bei uns angemeldet haben, hatte/habe ich immer zuerst eine abwehrende Haltung. Ich habe meinen Mann immer gesagt, dass ich Kinder wollte, war aber in Wirklichkeit dagegen. Jetzt habe ich Schuldgefühle, dass ich ihm das Leben verwehrt habe, dass er sich gewünscht hatte.

 

 

Wünsche an die Therapie:

-          Ich möchte lernen, mit meinen Schuldgefühlen umzugehen, bzw. sie loslassen zu können. Im Moment quälen mich diese Gedanken Tag und Nacht, ich kann nicht abschalten.

-          Ich möchte lernen, keine Lügengeschichten mehr zu erfinden.

-          Ich möchte die Ursachen für mein Verhalten kennen lernen.

-          Ich möchte aufarbeiten!

 

 

Kommentare

22:01 01.04.2010
Ja freedom, daß weiß ich. Ich suche keine Schuldigen oder sowas. Ich erhoffe mir davon, daß ich mich selbst besser verstehen kann, und mir dann mein zukünftiger Weg klarer wird.
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20:22 01.04.2010
Du weißt, was ich zu dieser Art von Vergangenheitsbewältigung denke ... wünsche Dir aber, daß es für Dich ein Weg hinaus ist ...
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15:04 29.03.2010
@lore: Ich wäre froh, wenn ich alles klar sehen würde. Durch das aufschreiben versuche ich gerade, mir überhaupt mal einen Überblick zu verschaffen.

@7sins: Ja, das sind nur Stichpunkte. Es sind Dinge, die mich über Jahre hinweg begleitet haben.
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13:42 29.03.2010
und das ist wohl alles auch nur verkürzt. du arme Maus, du hast wirklich viel Scheiße erlebt.
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12:41 29.03.2010
da hast du dir aber was vorgenommen! toll, dass du das alles so klar sehen und aufschreiben kannst. ich wünsche dir viel kraft für die therapie.
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2010-03-29 11:49