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Zündkerzen (Scherben...)
Zündkerzen (Scherben - hat des net was zu bedeuten?)
"Konferenz am Dienstag, dem 20.12., in Landshut, Hotel Enzian. Anreise am 19.12. Sie haben ein Doppelzimmer mit Ihrem Kollegen, Herrn Geislinger. Zimmer Nummer 18."
Knickrig wie immer! Doppelzimmer! Ich als erwachsener Mensch. Naja, vielleicht hamm die Zimmer net gelangt - iss ja wurscht, ee Nacht geht rum, hoffentlich schnarcht er net.
Ich kumm an und seh, mei Kollege Geislinger iss scho da, sei Koffer, sei Tasch stehn in der Eck, sei Schlafanzug liegt aufm bessern vo die zwä Better, nebern Fenster. Der leichte Unmut über mei dunkleres Bett wird gleich gemildert. "Wir wünschen einen angenehmen Aufenthalt und schöne Weihnachtstage, Ihre Firma Weber." Auf jeden Nachtkästla so ä Kärtla, und auf den Kärtla steht ä klenna Tonkaraffe mit än Henkel und mit der Aufschrift "Schwarzwälder Kirschwasser". So kenn ich ja die Firma gar net, ä Gschenk? Hätt ich net gedacht.
Ich guck mei Krügla näher an und bin immer nuch ganz begeistert, auf eemal seh ich, des Henkela hat än klenna Sprung. Ganz deutlich sieht mer's, än Knacks, wie mer so secht. Schad, denk ich, ärgerlich, weil, so ä Krügla könnert mer gut aufheb. Aber den Sprung sicht mer zu arg.
Da plötzlich, iss jetzt des der Schalk oder es leibhaftig Bösa, was mir durchs Hirn zuckt? Scham müßt mer sich eigentlich, aber trotzdem, ich bin ehrlich, ich geb's zu, daß mei Aachng nübergewandert sinn zu dem Kollegen sei Krügla. Ob des aa freckt iss? Mit een Blick seh ich, nein, den seins iss ganz. Und jetzt kummt erscht die ganze Bosheit in mir durch. Er kann ja gar net wiß, daß mei Krügla scho gschprunga iss, er hat ja bloß seins gsehn und des wahrscheints aa bloß flüchtig. Auf än Sprung hat der taab Frecker bestimmt net aufgepaßt. Leut, habt bitte Verständnis, ich hab die Krügli ausgetauscht.
Dann bin ich aufgeräumt wie nach einer guten Tat, wie nach än gutn Gschäft, nunner nein Gastraum zu die Kollegen. "Hallo, Servus, wie geht's?" - "Wie geht's Geschäft?" Auch den Geislinger hab ich begrüßt, und er mich erscht, überschwenglich wie noch nie, wie än altn Freund. "Wenn iss'n es Abendessen?", frech ich. "Gleich", secht der Geislinger, "ich wasch mer bloß noch schnell die Händ." Er iss naufm Zimmer, und ich hab mit die Kollegen fachgsimpelt und weitergepappelt. Dann h ammer gessn. Nachng Essn bin ich nauf, jetz hab ich mei Hend wasch wöll. Vorher ä kurzer Blick auf mei Krügla. Dunnerkeil! Des git's doch net! Ich hab des Krügla mitn Sprung und er, ein kurzer Blick genügt, seins iss ganz.
"So ein Verrecker! Ja schamt denn der sich net? Woher wäß jetzt der des mit dem Sprung? Hat er gar scho getauscht, bevor ich überhaupt da war? Na freili, davo muß ich ausgeh, daß ich von Anfang an des guta Krügla ghat hab, also isses meins, des Krügla ohne Sprung. Zum zwättn Mal mich beschissn, den gäb ich, den sag ich Bescheid für fümf Pfennig, vor alla Leut blamier ich na. Aber - dann is natürlich jeden klar, daß ich aa heimlich getauscht hab. Ich seh's ei, Krach kann ich kenn mach, sonst bin ich der Blamiert. Ich tausch die Krügli, daß ich mei guets wieder hab. Dann geh ich nunner.
Ersch Bier, Schnäps, dann Schoppm, die merschtn hamm über ihre Verhältnisse gelebt, und spät isses worn, sehr spät. Kein Gedanke mehr an die Krügli.
Früh raus, ein Blick, mei guets Krügla iss nuch hüm. Ä Stund später, bei der Konferenz höck mer uns gegenüber, der Geislinger und ich.
Er guckt mich an mit einen Engelsblich, sanft und schwermütig, der alt Schlack. Deraweil hat er zwämal es Krügla getauscht. Natürlich wäß er, daß ich aa getauscht hab, aber dieses Wissen merkt mer na fei net an. Ich halt aa mei Goschn, jeder sieht aus wie ein Unschuldslamm, kein Engel war je so rein. Daß es sowas git, betrügerischa Gedankng hinter sein Hirn, und net ämal rot wird er. Und wie seh ich aus? Sicht mer mir die Schummelei ämend an? Der Vortrag geht an uns zwä vorbei - die Krügli sinn wichtiger.
Er verzieht keine Miene. Ich verzieh ebenfalls keine Miene und mach für alla Fäll scho Plän. Ich frää mich auf mei guets Krügla, des bring ich meiner Fraa mit, des paßt genau auf unnern Bücherbord, da wirkt des bestimmt Klasse, ich muß bloß aufpaß, daß ich net nuch im letzten Moment....
Nach der Konferenz will jeder hemm. Bloß der Geislinger: "Ich muß unbedingt nuchämal nach meiner Zündkerzn guck, die hamm so gepfatzert herwärts." Der Firmenchef tritt zu mir: "Na, wie geht's denn bei ihnen, was macht die Familie?" Der Chef freecht nach meiner Familie! Ich reiß mei Brieftaschn raus, zeich Bilder und bin stolz wie ein Pfau. "Das ist meine Frau, und das ist mein Großer, der Christof, das ist die Barbara, und die Kleine, die Juliane, ist auch schon drei Jahre alt." Lächeln und anerkennendes Gnaucken des Chefkopfes - Jesses, mei Krügla! Schnell, schnell! "Ich wünsche ihnen ein frohes Weihnachtsfest und besten Dank auch für die gelungene Überraschung, Herr Direktor." - "Wie bitte?" - "Na, die Schnapskaraffe." - "Ach so, eine Kleinigkeit." Ganz der Boss.
Mit vier Stuf'm auf eemal ras ich die Hoteltreppm nauf. Den Geislinger sei Koffer sinn fort, sei Krügla aa, er sowieso. Und mei Krügla? Scheiße! Jetzt hab ich doch des mit den Sprung.
Des Krügla mit den Sprung guck ich heut nuch manchmal an. Es hat mich damals äwas ganz wichtigs gelehrt. Net, daß Scherbm Glück bringa, und aa net, daß der Klügere nachgit, nää - ganz was annersch hab ich aus den Vorfall gelernt, nämlich, daß es im Lääm zwä Gruppm vo Menschn git, die eena, die wu rasiern, und die annern, die wu rasiert wern. Zu die eena, hab ich lange Zeit gemeent, ghör ich aa, und deraweil...hätt ich net gedacht.
Übrigens, deß hab ich aa gelernt, daß Zündkerzn gar net pfatzer könna, höchstns verruß.
(Wilhelm Wolpert)